Projekt “FASD ist FAKT !”

Report FASQ.online 2025

Was zeigt sich bei Kindern mit Verdacht auf FASD am häufigsten?

197Kinder und Jugendliche in der Erhebung 2025
fast 50 %aller erfassten FASD-Merkmale zeigt jedes Kind im Schnitt in ausgeprägter Form
70 %+verstehen die Konsequenzen ihres Handelns nicht
9 von 10haben bereits die Diagnose ADHS

Hinzu kommen Reizoffenheit, Konzentrationsprobleme, ein langsames Lerntempo sowie eine auffällige Arglosigkeit gegenüber Fremden, ein Warnsignal, das FASD deutlich von ADHS unterscheidet. Diese Muster sind kein „Erziehungsproblem“, sondern Ausdruck einer neurologischen Schädigung durch pränatale Alkoholexposition.

Die 10 häufigsten Merkmale in starker Ausprägung

Versteht die Konsequenzen des eigenen Handelns nicht73,6 %
Kann das eigene Handeln nicht begründen73,1 %
Reizoffen und leicht ablenkbar65,8 %
Ausgeprägte Konzentrationsschwierigkeiten64,2 %
Langsames Lerntempo63,9 %
Arglosigkeit und Naivität gegenüber Fremden63,8 %
Benötigt ständige Anleitung im Alltag61,9 %
Tagesstruktur muss von außen gegeben werden61,5 %
Kein Verständnis für den Wert von Geld61,2 %
Erfindet häufig Ausreden oder „lügt“56,5 %

Anteil der Kinder mit Ausprägung „häufig“ oder „voll zutreffend“ je Merkmal (n=111 bis 145), FASQ.online-Erhebung 2025 mit 197 Kindern und Jugendlichen.

Direkt zum Report FASQ.online 2025 (PDF)

Projektauswertung 2025 „FASD ist FAKT!“

Ein Fragebogen. 15 Minuten. 92 % Treffsicherheit und ein Diagnose-System, das oft jahrelang daneben lag.

76,8 % der gescreenten Kinder in unserer Erhebung waren bereits diagnostiziert, bei rund 90 % von ihnen lautete die Diagnose ADHS. Nicht, weil sie falsch war. Sondern weil sie oft nur die halbe Wahrheit ist. Voraussichtlich erfüllen 60 bis 90 % aller Menschen mit FASD zusätzlich die ADHS-Kriterien.

Der FASQ.online, wissenschaftlich validiert mit einer Trefferquote von 92 %, macht diese verborgene zweite Diagnosemöglichkeit sichtbar: kostenlos, anonym und ohne Fachausbildung in nur 15 bis 20 Minuten ausfüllbar.

Für 77,16 % der Kinder in unserer Stichprobe (n=152) war eine weiterführende diagnostische Abklärung dringend indiziert und wurde durch uns entsprechend empfohlen. FASD ist kein Rand-, sondern ein Massenphänomen, es trägt zunächst oft andere Namen.

Direkt zur Projektauswertung 2025 „FASD ist FAKT!“ (PDF)

Der Fragebogen

Wer oder Was ist FASQ?

Der FASQ (Fetal Alcohol Syndrome Questionnaire) ist ein wissenschaftlich validiertes, niedrigschwelliges Screening-Instrument in Form eines Fremdbeurteilungsfragebogens bei Kindern und Jugendlichen. Er dient der Früherkennung und Differenzierung der Fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD) gegenüber anderen Störungsbildern wie ADHS oder Autismus und weist eine hohe Treffgenauigkeit von 92 % auf.

Wer hat den FASQ entwickelt?

  • Ursprung: Das ursprüngliche „Pen and Paper“-Instrument wurde von Dr. rer. medic. Reinhold Feldmann (Dipl.-Psychologe aus Walstedde) gemeinsam mit Studierenden der Universität Münster entwickelt.
  • Digitalisierung: Die Online-Version (FASQ.online) und das Projekt „FASD ist FAKT!“ wurden durch T.F. Theen und das FASD-Fachzentrum Hamburg e.V. realisiert. Seit Ende 2024 bzw. Anfang 2025 ist das Tool bundesweit kostenlos und anonym zugänglich.

Wer kann ihn anwenden?

Der Fragebogen ist so konzipiert, dass er keinerlei spezialisierte Fachkenntnisse erfordert:

  • Eltern und Bezugspersonen, einschließlich Pflegeeltern, die das Kind und sein Verhalten im Alltag gut kennen.
  • Fachkräfte aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Pädiatrie, Erziehungswissenschaft sowie Sozial- und Sonderpädagogik.

Wo wird der Einsatz vom FASQ.online empfohlen?

Jugendhilfe und KinderschutzAls Standard-Screening bei Inobhutnahmen, um pränatale Belastungen bei Kindern mit unbekannter Vorgeschichte frühzeitig zu erkennen und frühe Hilfe zielgenau, nachhaltig sowie FASD-sensibel zu gestalten.
SchulkontextBei Kindern mit extremen Lern- und Verhaltensauffälligkeiten, die sich trotz Fördermaßnahmen oder Nachteilsausgleich weiterhin dysfunktional zeigen, z. B. bei Schulverweigerung oder sogenanntem „herausforderndem Verhalten“.
Medizinische DiagnostikRoutinemäßig bei Kindern mit einer ADHS-Diagnose, die zusätzlich spezifische FASD-Merkmale zeigen (wie z. B. mangelndes Geldwertverständnis, dysfunktionale Exekutivfunktionen oder soziale Arglosigkeit) oder bei denen die Medikation nicht wie erwartet wirkt.
Therapeutische PraxisWenn extreme Probleme trotz intensiver pädagogischer oder therapeutischer Interventionen (wie Logopädie oder Ergotherapie) persistent bestehen bleiben.

Zusammenfassend fungiert der FASQ.online als entscheidender Wegweiser, um eine weiterführende fachliche Diagnostik auf Grundlagen der FASD-S3-Leitlinie einzuleiten und die oft jahrelange „diagnostische Odyssee“ betroffener Kinder, Jugendlicher und Erwachsener zu beenden.

Das Projekt

Über das Projekt

„FASD ist FAKT!“ ist ein digitales Projekt, das Menschen mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) sichtbar macht.

Kern des Projekts ist der Aufbau einer digitalen Plattform zur Bedarfserfassung, zur Darstellung von Teilhabehindernissen und zur ersten digitalen Einschätzung rund um FASD. Im direkten regionalen Bezug.

Ziel ist es, verlässliche Zahlen, Daten und Fakten direkt aus der FASD-Community zu sammeln. Diese Daten sollen helfen, FASD auf politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene besser zu verstehen und ernst zu nehmen.

Das Projekt trägt zur Aufklärung bei, baut Vorurteile ab und stärkt die Teilhabe von Menschen mit FASD. Dank der Förderung durch den Hamburger Partizipationsfonds konnte die Grundlage für eine zentrale digitale Plattform geschaffen werden. Auf dieser Plattform werden anonymisierte Umfragen und Fragebögen zum Thema FASD gebündelt und einfach zugänglich gemacht.

Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Menschen mit FASD sowie die Perspektiven von Pflege- und Adoptiveltern und von Fachkräften. So entsteht ein klares, realistisches Bild der Lebenswirklichkeit von FASD.

Report FASQ.online 2025

Die Projektauswertung 2025 zum Download

Das Projekt „FASD ist FAKT!“ macht erstmals bundesweit Daten zur Situation von Kindern und Jugendlichen mit FASD sichtbar. Die Projektauswertung 2025 basiert auf der FASQ.online-Erhebung mit 197 Kindern und Jugendlichen und liefert neue Erkenntnisse zu Symptombelastung, Diagnostik und Versorgungslücken.

Hier können Sie die vollständigen Ergebnisse direkt als PDF ansehen und herunterladen.